Bücherverbrennung – „Sie haben meine Seele verbrannt“

Zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten liest Ilona Abel-Utz am 10. Mai um 20 Uhr in der Stadtbibliothek Texte von Autorinnen und Autoren,deren Bücher verbrannt wurden.

Nur den wenigsten von ihnen – wie zum Beispiel Anna Seghers, Bertold Brecht oder Erich Kästner – gelang es, nach dem Krieg an ihren Erfolg vor der Bücherverbrennung anzuknüpfen; die meisten konnten literarisch nicht wieder Fuß fassen. Die Stimmen dieser Autorinnen und Autoren stehen im Zentrum des Abends. Umrahmt wird die Lesung mit Harfenmusik von Eva-Maria Bredl.
Die Nationalsozialisten waren gerade einmal drei Monate im Amt, als am 10. Mai, kurz nach Mitternacht auf dem Berliner Opernplatz das Spektakel veranstaltet wurde: Acht große Holzstapel waren aus meterlangen Holzscheiten errichtet worden . Eine eigens beauftragte pyrotechnische Firma, hatte Sand auf dem Boden ausgestreut, damit das Pflaster keinen Schaden nehme. Die Flammen schlugen meterhoch, als die Bücher brannten – nicht nur in Berlin, sondern auch in vielen anderen deutschen Universitätsstädten. Initiator der Bücherverbrennung war die „Deutsche Studentenschaft“, nicht etwa der Reichpropagandaminister Goebbels oder gar Hitler selbst. Protest unter den Studenten gab es keinen und auch von den Professoren kam kaum Widerstand. Der vom Erfolg der angekündigten Aktion und dem ausbleibenden Widerstand des deutschen Bildungsbürgertums überraschte Goebbels und ließ sich daher am 3. Mai 1933 nicht zweimal bitten, die Feuerrede zu mitternächtlicher Zeit zu halten.

Der Titel zu der Veranstaltung in der Stadtbibliothek geht auf einen Text der 1895 in Laupheim geborenen Ärztin, Psychotherapeutin und Publizistin Hertha Nathorff zurück, mit dem diese am Ende des Dritten Reichs die Auswirkungen beschrieb, die das nationalsozialistische Regime auf ihr Leben hatte:

„Sie haben meine Seele verbrannt, mein Leben zerstört, meine Jugend, meinen Frohsinn, mein ganzes Ich ausgelöscht wie der Sturm ein brennendes Licht.“

Nathorff, geborene Einstein und verwandt mit dem Nobelpreisträger, gelang 1938 die Flucht in die USA. 1967 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sie starb 1993 in New York. 1995 stiftete die Ärztekammer Berlin eine nach Hertha Nathorff benannte jährliche Auszeichnung für die besten Abschlussarbeiten in gesundheitswissenschaftlichen Studiengängen an der FU und TU Berlin.

Veranstaltungzeit: Freitag, 10.Mai 2013 um 19.30 Uhr 

Veranstaltungsort: Stadtbibliothek Göppingen, Kornhausplatz 1

Eintritt: tba € VVK.: tba €

Veranstalter:  Stadtbibliothek Göppingen, Kulturreferat Göppingen

Programm: Jahrestag der Bücherverbrennung 

Advertisements